
Wer als Unternehmer einen Betriebsstandort am Niederrhein wählt, trifft eine Entscheidung die weit über den Mietpreis hinausgeht. Die Gewerbesteuer — bestimmt durch den kommunalen Hebesatz — kann die effektive Steuerbelastung eines Unternehmens je nach Standort um mehrere tausend Euro pro Jahr verschieben. Ein Vergleich der wichtigsten Standorte im Kreis Viersen und Umgebung.
Wie funktioniert die Gewerbesteuer?
Die Gewerbesteuer wird auf den Gewerbeertrag erhoben. Die Berechnungsformel: Gewerbeertrag × Steuermesszahl (bundeseinheitlich 3,5 %) × kommunaler Hebesatz = Gewerbesteuer. Der Hebesatz ist das entscheidende Stellrad, das jede Gemeinde selbst festlegt.
Beispiel: Ein Unternehmen mit 200.000 EUR Gewerbeertrag zahlt bei einem Hebesatz von 400 % eine Gewerbesteuer von 200.000 × 3,5 % × 400 % = 28.000 EUR. Bei einem Hebesatz von 470 % wären es 32.900 EUR — eine Differenz von 4.900 EUR jährlich, allein durch die Standortwahl.
Hebesätze im Kreis Viersen und Umgebung 2025/2026
Die folgenden Hebesätze basieren auf Angaben der jeweiligen Gemeinden (Stand: Anfang 2026). Hebesätze können jährlich angepasst werden — zur Entscheidungssicherheit immer die aktuelle Haushaltssatzung der jeweiligen Gemeinde anfragen.
- Grefrath: ca. 430 % — attraktiv für kleine und mittlere Betriebe. Heimatstandort von Gallium Estate.
- Kempen: ca. 440 % — leicht über Grefrath, aber durch Infrastruktur und Kaufkraft für viele Branchen kompensiert.
- Tönisvorst: ca. 430 % — günstig positioniert zwischen Kempen und Krefeld.
- Nettetal: ca. 450 % — grenznaher Standort mit Logistik-Bonus rechtfertigt den Aufschlag für viele Betriebe.
- Viersen: ca. 465 % — Kreisstadt mit entsprechend höherem Hebesatz.
- Willich: ca. 465 % — trotz hohem Hebesatz durch starke Infrastruktur attraktiv für Industrie und Logistik.
- Krefeld: ca. 502 % — deutlich höher, dafür großstädtische Infrastruktur, Arbeitskräfte, ÖPNV.
- Mönchengladbach: ca. 500 % — ähnliches Profil wie Krefeld.
- Schwalmtal / Brüggen: ca. 420 – 430 % — günstig, aber geringere Infrastruktur.
Wichtiger Hinweis: Diese Angaben sind Orientierungswerte auf Basis öffentlich zugänglicher Haushaltsdaten und eigener Recherche. Für steuerliche Entscheidungen ist immer die aktuelle, amtlich bestätigte Haushaltssatzung der jeweiligen Gemeinde sowie die Beratung durch einen Steuerberater maßgeblich. Gallium Estate gibt keine Steuerberatung.
Hebesatz ist wichtig — aber nicht alles
Als Technischer Betriebswirt und ehemaliger Geschäftsführer habe ich gelernt: Der Gewerbesteuer-Hebesatz ist ein echter Entscheidungsfaktor, aber selten der dominante. Was in der Praxis oft mehr wiegt:
- Verfügbarkeit und Mietpreis geeigneter Flächen: Eine 7,00 EUR/m²-Halle zu niedrigerem Hebesatz kostet mehr als eine 5,50 EUR/m²-Halle in der Kreisstadt — wenn die Grundmiete überwiegt.
- Arbeitskräfte-Einzugsgebiet: Krefeld und Viersen bieten deutlich mehr qualifizierte Mitarbeiter im 15-Minuten-Radius als Grefrath oder Schwalmtal.
- Infrastruktur und Kundennähe: Wer regelmäßig Kunden empfängt oder auf Zuliefererketten angewiesen ist, rechnet anders als ein reiner Logistikbetrieb.
- Wirtschaftsförderung: Viele Gemeinden kompensieren höhere Hebesätze durch aktive Wirtschaftsförderung, Gewerbegrundstücks-Konditionen oder Förderprogramme.
Praktische Empfehlung für Standortsuchende
Wer als Unternehmer einen neuen Betriebsstandort am Niederrhein sucht, sollte drei Faktoren gleichzeitig prüfen: Gewerbesteuer-Hebesatz, Immobilienkosten (Miete oder Kaufpreis) und operative Standortqualität (Erreichbarkeit, Fachkräfte, Infrastruktur). Die günstigste Kombination ist selten die offensichtlichste.
Gallium Estate begleitet Unternehmen und Investoren bei der Standortfindung für Gewerbeimmobilien am Niederrhein — von der Flächensuche über die Marktbewertung bis zur diskreten Off-Market-Vermittlung. Zur Gewerbe-Übersicht oder direkt Anfrage stellen.
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